Aufbau
Das elegische Distichon (griech. dístichon, „Zweizeiler“) ist eine Strophe aus zwei Versen: einem Hexameter und einem Pentameter. Im Deutschen werden die antiken Längen durch betonte (—) und unbetonte (◡) Silben nachgebildet.
- Hexameter (sechs Hebungen)
- — ◡ ◡ | — ◡ ◡ | — ◡ ◡ | — ◡ ◡ | — ◡ ◡ | — ◡
- Pentameter (zweimal drei Hebungen, Zäsur in der Mitte)
- — ◡ ◡ | — ◡ ◡ | — ‖ — ◡ ◡ | — ◡ ◡ | —
In den ersten vier Versfüßen des Hexameters und in der ersten Hälfte des Pentameters kann ein Daktylus (— ◡ ◡) durch einen Trochäus bzw. Spondeus (— ◡ / — —) ersetzt werden. Typisch für den Pentameter ist das Zusammenstoßen zweier Hebungen an der Zäsur (‖).
Beispiele
Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule, Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.
Wie, vom Zephyr gewiegt, der leichte Rauch in die Luft fließt, Wie sich leise der Kahn schaukelt auf silberner Flut, Hüpft der gelehrige Fuß auf des Takts melodischer Woge, Säuselndes Saitengetön hebt den ätherischen Leib.
Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr hohen Paläste! Straßen, redet ein Wort! Genius, regst du dich nicht? Ja, es ist alles beseelt in deinen heiligen Mauern, Ewige Roma; nur mir schweiget noch alles so still. O wer flüstert mir zu, an welchem Fenster erblick ich Einst das holde Geschöpf, das mich versengend erquickt? Ahn ich die Wege noch nicht, durch die ich immer und immer, Zu ihr und von ihr zu gehn, opfre die köstliche Zeit? Noch betracht ich Kirch und Palast, Ruinen und Säulen, Wie ein bedächtiger Mann schicklich die Reise benutzt. Doch bald ist es vorbei: dann wird ein einziger Tempel, Amors Tempel nur sein, der den Geweihten empfängt. Eine Welt zwar bist du, o Rom; doch ohne die Liebe Wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom.