Die Trockenheit war 1137 so groß, dass die Flüsse austrockneten: man konnte sogar durch den Rhein gehen. Es gibt zu dem Ereignis 1137 insgesamt 14 Berichte zeitgenössischer Chronisten aus dem Raum vom Südwesten Frankreichs bis an den Niederrhein.
Die Dürre und Hitze in Europa 1540 war ein klimatisches Extremereignis mit vielfältigen Auswirkungen auf Naturräume und menschliche Gemeinschaften. Es handelt sich um eine elfmonatige Periode, in deren Verlauf es in großen Teilen Europas nur spärlich oder so gut wie nicht regnete. Ausgelöst wurde das Ereignis von einem ungewöhnlich stabilen, die atlantischen Luftströmungen blockierenden Hochdruckgebiet (Omegalage), das besonders Mitteleuropa beeinflusste. Mehr als 300 zeitgenössische Chroniken aus weiten Teilen Europas beschreiben übereinstimmend die Auswirkungen einer lang anhaltenden Trockenheit und Hitze, wie zum Beispiel ein ausgeprägtes Niederschlagsdefizit, den extrem niedrigen Pegel großer Flüsse, weiträumig auftretende Waldbrände, das Absinken des Grundwasserspiegels (wodurch Brunnen versiegten) sowie schwerwiegende Folgen für Landwirtschaft, Viehhaltung und Fischbestände. (nach Wikipedia)
1.Der älteste Bericht ist der des Abtes Robertus de Monte (auch Robert de Torigni, 1110-1186); er war zuletzt Abt des Klosters Mont-Saint-Michel in der Normandie. Robert schreibt in der »Cronica« zum Jahr 1137:
Ipso anno tanta siccitas fuit, ut etiam stanna et flumina multa siccarentur, terra in multis locis diutissime arderet, arbores plurimae in silvis et virgulis aresecentes morerentur, et arderent nullo incendente.
In demselben Jahr gab es eine so grosse Trockenheit, daß sogar Zinn schmolz[?] und viele Flüsse austrockneten, die Erde an vielen Stellen lang anhaltend brannte, die meisten Bäume in den Wäldern verdorrten und abstarben und viele brannten, ohne dass jemand sie angezündet hätte.
2.Ein Zeitgenosse des Robert war der Mönch Richard von Poitiers (Richardus Pictaviensis, vor 1140-1174). Auch er schrieb ein Chronicon:
Anno primo regni ejus, qui fuit de Incarnatione Verbi MCXXXVII fuit tanta siccitas in Gallia, quanta retroactis saeculis in eadem regione unquam visa est aut audita, ita ut fontes et flumina, lacus, putei etiam siccarentur. Visus est etiam ignis biennio cremare sub terram, qui casu aut sponte missus per rimas arentis terra in imis inciderat, nec frigore vel gelu seu imbribus extingui poterat.
Im seinem ersten Regierungsjahr [Ludwig VII.], im Jahr der Fleischwerdung des Wortes 1137, gab es eine so grosse Trockenheit in Frankreich, wie sie in früheren Jahrhunderten in derselben Gegend noch nie gesehen wurde, daß Quellen und Flüsse, Seen, Brunnen ebenfalls austrockneten. Man sah auch Feuer zwei Jahre lang in der Erde brennen, das durch Spalten des trockenen Bodens in die Tiefe eingedrungen war und weder von Kälte, Frost oder Regen gelöscht werden konnte.
3.Um 1500 schreibt ein unbekannter Geistlicher vom Niederrhein in dem »Chronicon Belgicum magnum«:
Anno Domini MCXXXVII siccitas tanta fuit in Francia, ut flumina, lacus, fontes & putei siccarentur; & Rhenus siccis pedibus transiretur; ignis quoque, qui per rimas terram subintraverat, nec imbribus, nec frigore, nec alia arte biennio extingui poterat.
Im Jahre des Herrn 1137 gab es eine so grosse Trockenheit in Frankreich, daß Flüsse, Seen, Quellen und Brunnen austrockneten, und daß der Rhein trockenen Fußes durchquert wurde. Auch konnte Feuer, das durch Spalten in die Erde eingedrungen war, weder durch Regen, noch durch Frost oder anderswie gelöscht werden – und das zwei Jahre lang.
4.Andreas von Regensburg (1380-1442) schreibt um das Jahr 1420 zum Jahr 1130(!) drei Verse:
Annis nongentis ter denis atque ducentis
Christi carnati Renus ardore coactus
Renus siccatur, sicco pede transpeditatur.
In den Jahren 1130
Nach Christi Geburt wurde der Rhein von der Glut bezwungen
Der Rhein trocknet aus, trockenen Fußes wird er durchquert.
5.Der kurkölnische Hofrat J.Ph.N.M. Vogel schreibt in seiner »Chorographia« in den 1760 Jahren:
A[nno] 1137 ward wegen unerhörter Trockne der Rheinstrohm bey Bonn so klein, daß man durch selbigen zu Fuße übergehen konnte.
www.wetter.de am 22.7.2022:
»Chronisten dokumentierten Katastrophe
Obwohl der Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland erst im Jahr 1881 startete, ist es Wissenschaftlern der Universität Bern trotzdem gelungen, die Wettereignisse des Katastrophenjahres 1540 nachzuvollziehen. Denn auch damals gab es bereits Menschen, die Wetterphänomene und deren Folgen dokumentierten, zum Beispiel Wissenschaftler, aber auch Geistliche. Für das Jahr 1540 liegen über 300 Quellen von Chronisten aus ganz Europa vor. Schon Ende 1539 war es in Italien und Spanien ungewöhnlich warm und trocken, ab Januar regnete es dann auch nördlich der Alpen so gut wie gar nicht mehr – und das für ganze elf Monate!
Mehr Rinnsal als Fluss: Rhein, Seine und Elbe
In Mittel- und Südeuropa nahm die Katastrophe ihren Lauf: Es blieb nicht nur trocken, die Temperaturen lagen auch 5 bis 7 Grad über dem Durchschnitt – ein Teufelskreis. Die Böden trockneten aus, ein weiterer Brandbeschleuniger für Hitze, denn die Verdunstung von Bodenwasser drückt die Temperaturen normalerweise deutlich. Wasser wurde zur absoluten Mangelware, der Grundwasserpegel sank, Brunnen lagen brach, die Ernte blieb aus. Ganze Wälder gingen in Flammen auf. Flüsse wie der Rhein, Seine und Elbe konnten zu Fuß durchquert werden. Bodenrisse waren so groß, dass man die Beine einfach runterbaumeln lassen konnte.
Wein billiger als Wasser
Die Situation nahm im Sommer des Jahres an Dramatik zu: Wegen des Wassermangels musste das Vieh notgeschlachtet werden, Wasser wurde nur rationiert ausgegeben. Wein war billiger als Wasser. Stichwort Wein: Das einzig Gute an der Mega-Dürre war wohl der besonders gute Tropfen, der aus diesem Jahr hervorging (im Bürgerspital in Würzburg lagert noch eine einzige Flasche dieses ältesten Weins der Welt).«
Andreas von Regensburg: Chronica pontificum et imperatorum Romanorum, in: Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte, Neue Folge, 1. Band, hrg. von Georg Leidinger, München 1903.
Chronicon Belgicum magnum, in: Rerum Germanicarum veteres, Scriptores VI., hrg. von Johanns Pistorius, Frankfurt/Main 1607.
Robertus de Monte: Cronica, in: MGH, Scriptorum VI, hrg. G.H. Pertz, Hannover 1844.
Johann Philipp Neri Maria Vogel: Chorographia Bonnensis, hrg. Norbert Flörken, Bonn 2020.
Richards Pictaviensis: Chronicum, in: Receuil des Historiens des Gaules et de la France, Bd.12, hrg. L. Delisle, Paris 1877.
Thomas Labbé (August 9, 2018). Europe, 1137 AD: Drought, fires and thirst. The Dantean Anomaly Project. Retrieved August 15, 2026 from https://doi.org/10.58079/ngqv.