Das Kloster Heisterbach

Chorruine des Klosters Heisterbach (zum Vergrößern anklicken)

Geschichte

Mittelalter

Der Orden der Zisterzienser entstand als Reformbewegung innerhalb des Benediktinertums. Seine Blütezeit erlebte er unter Bernhard von Clairvaux.

Auf Betreiben des Kölner Erzbischofs Philipp I. von Heinsberg entsandte die Abtei Himmerod in der Eifel zwölf Mönche ins Siebengebirge, um dort ein Tochterkloster zu gründen. Am bezogen sie zunächst die verlassenen Gebäude des Augustiner-Chorherrenstifts St. Peter, das von 1142 bis 1176 auf dem Petersberg (früher Stromberg) bestanden hatte. Ihr erster Abt hieß Hermann.

zogen die Zisterzienser in das Tal unterhalb des Petersberges und gründeten dort das Kloster Heisterbach („Heister“ = junge Buche), das auch Sankt Peterstal genannt wurde.

verpflichtete sich Abt Gevard (Gevardus) in einem Vertrag mit Äbtissin Elisabeth von Vilich, 15 Malter Weizen zu liefern, statt den Zehnten an das Kloster Vilich zu entrichten.

Erst war der Umzug in das „Tal des heiligen Petrus“, wie die Mönche es nannten, abgeschlossen, und der Grundstein der neuen Klosteranlage konnte gelegt werden.

Ab hieß das Kloster „Maria im Peterstal“ in Heisterbach; später sprach man nur noch vom Kloster Heisterbach. Dieser Name steht auch auf einem Wappen über dem Eingangstor.

Der bekannteste Mönch der Abtei war der Chronist Caesarius von Heisterbach (um 1180 – um 1240), der ab 1199 in Heisterbach lebte. Ihm ist ein 1897 errichtetes Denkmal nahe der Chorruine gewidmet.

wurde von Heisterbach aus die Abtei Marienstatt im Westerwald besiedelt.

Am wurde die neue Abteikirche geweiht. Die dreischiffige romanische Pfeilerbasilika aus Latit vom nahen Stenzelberg war 88 Meter lang und 44 Meter breit. Damit übertraf sie alle romanischen Kirchen am Niederrhein und in Köln – ausgenommen den damaligen (alten) Kölner Dom.

Die Apsis folgte dem seit der Mitte des 12. Jahrhunderts verbreiteten Ideal des Umgangschores mit Kapellenkranz, wie es später auch der Altenberger Dom aufgreift. Die in Köln bereits mehrfach verwirklichte Zweischaligkeit der Apsiswand erfährt hier durch den Chorumgang eine einzigartige Verwandlung: Die Säulenstellung zwischen Umgang und Chor ist verdoppelt und nimmt so das Zweischalenprinzip in besonders raffinierter Form auf.

Anders als bei den romanischen Dreikonchenchören Kölns liegt unter der oberen Raumschale der Apsis keine bloße Folge von Nischen zwischen Säulen, bei der die Mauer im Grunde in einer Fläche nach unten durchläuft. Stattdessen führt hinter den unteren Säulen ein vollständiger Umgang herum. Es gibt daher auch keine glatte Außenhaut mit mehrgeschossigen Dekorationsbändern wie in Speyer, Köln oder Bonn; Chorumgang und äußerer Kapellenkranz bilden vielmehr ein eigenständiges, ausladendes Erdgeschoss.

war die gesamte Klosteranlage fertiggestellt.

Neuzeit

erwarb die Abtei die Pontifikalien, also die bischöflichen Insignien Mitra und Stab.

Im Zuge der Säkularisation wurde Heisterbach am aufgehoben und als Bauernhof verpachtet; die Mönche verließen das Kloster 1804. Die bergische Landesregierung bot das Kloster am vergeblich zum Verkauf an. wurde die Kirche zum Abbruch an einen französischen Unternehmer verkauft. Die Steine verwendete man für den Bau des Nordkanals zwischen Venlo und Neuss, später auch für die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz. Die übrigen Gebäude erwarb ein Kölner Konsortium.

Erst unterband eine Verfügung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Graf zu Solms-Laubach, weitere Sprengungen, sodass die rund 20 Meter hohe Chorruine erhalten blieb.

erwarb Graf zur Lippe-Biesterfeld das Gelände und ließ einen englischen Landschaftsgarten anlegen, in den er die Chorruine einbezog. Außer ihr sind vom alten Kloster vor allem das barocke Torhaus von 1750, das Brauhaus von 1711 und einige Wirtschaftsgebäude erhalten.

erwarben die Cellitinnen nach der Regel des heiligen Augustinus (Köln) das Gelände von den Grafen zur Lippe und brachten das klösterliche Leben zurück. Ab 1919 betrieben sie hier ein Erholungsheim, später auch Noviziat, Exerzitienhaus, Haushaltungsschule, Krankenhaus und Altenheim. 1953/55 entstand eine neue Kirche. Die Bewohner der Orte Hattenrott, Altenrott und Heisterbach wurden umgesiedelt und auf der Hochfläche im heutigen Heisterbacherrott (früher Roda) neu angesiedelt.

wurde die Stiftung Abtei Heisterbach gegründet, um das Kulturerbe zu pflegen und zu erforschen.

pachtete der Verein Bausteine für das Leben e. V. ein ehemaliges Altenheim auf dem Klostergelände und baute es zu einem Hilfs- und Informationszentrum für Schwangere und alleinerziehende Frauen in Notlagen um. Haus Heisterbach nahm seine Arbeit auf.

bot ein Symposium Anlass, sich eingehender mit der Landschaft um das Kloster zu befassen. wurden unter dem Arbeitstitel „Klosterlandschaft Heisterbacher Tal“ Untersuchungsergebnisse zur historischen, archäologischen, landschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung des ehemaligen Klosterbereichs veröffentlicht.

beantragte die Provinzleitung der Cellitinnen die Schließung des nur noch 13-köpfigen Konvents; sie erfolgte zum . Auch das Generalat des Ordens verließ Heisterbach.

Im Rahmen der Regionale 2010 des Landes Nordrhein-Westfalen wurde die „Klosterlandschaft Heisterbacher Tal“ neu gestaltet, um die Geschichte des Ortes wieder erfahrbar zu machen. Seit 2010 finden archäologische Ausgrabungen statt, und ein Fischteich wurde in historischer Lage wieder angelegt. Informationen bietet heute die Klosterlandschaft Heisterbach.