Römische Grab- und Weihesteine des Rheinlandes

Inschriften, Lesungen, Übersetzungen und Kommentare · Norbert Flörken

o. J. (2./3. Jh.)Weihealtar · Pesch

Weihealtar für die Vacallineischen Matronen

Inschrift

Matronis
Vacalineis
C Veriniu[s]
Natalis
l m

Lesung

Matronis
Vacallineis
C(aius) Verinius
Natalis
l(ibens) m(erito)

Übersetzung

Den Vacallineischen Matronen [weiht diesen Altar] Caius Verinius Natalis, gern und nach Gebühr.

Der Matronenkult war im Rheinland der Ubier und in der Voreifel weit verbreitet: rund 850 Weihungen sind verzeichnet. In der Nische solcher Steine sitzen meist drei Frauen, die mittlere ohne Haube, mit Früchten im Schoß; man sieht in ihnen Schutzgöttinnen der Fruchtbarkeit. Die Aufanischen Matronen waren bei römischen Soldaten und Beamten wohl die beliebtesten; daneben gibt es zahlreiche weitere, die alle einen lokalen Bezug haben. Gefunden im Heiligtum bei Pesch. Der Beiname könnte auf eine einheimische Familie oder Personengruppe hinweisen. Ein vergleichbarer Stein wurde in Bonn vor der Stiftskirche gefunden (Lehner 1918, S. 144).

Fundort
Matronenheiligtum bei Pesch (Nettersheim)
Maße (B×H×T)
39 × 42 × 15 cm
Belege
Lehner 1918, S. 161, Nr. 356 · zum Matronenkult: Portal Rheinische Geschichte; Sophie Lange
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9 n. Chr.Grabstein · Xanten

Grabstein des M. Caelius

Ein Centurio, gefallen in der Varusschlacht

Grabstein des Marcus Caelius
Darstellung von 1840

Inschrift

M Caelio T f Lem Bon
… o leg XIIX ann LIII s
… cidit bello Variano ossa
… nferre licebit P Caelius T f
Lem frater fecit

Lesung

M(arco) Caelio T(iti) f(ilio) Lem(onia tribu) Bon(onia)
[I] o(rdini) leg(ionis) XIIX ann(orum) LIII s(emissis)
[ce]cidit bello Variano. Ossa
[i]nferre licebit. P(ublius) Caelius T(iti) f(ilius)
Lem(onia tribu) frater fecit.

Übersetzung

Dem Marcus Caelius, Sohn des Titus, aus dem Stimmbezirk Lemonia, gebürtig aus Bononia (Bologna), Centurio der 18. Legion, 53½ Jahre alt. Er fiel im Varus-Krieg. Die Gebeine dürfen [hier] beigesetzt werden. Sein Bruder Publius Caelius, Sohn des Titus, aus dem Stimmbezirk Lemonia, hat [den Grabstein] errichtet.

Fundort
Xanten, um 1620; seit 1820 in Bonn
Material
Lothringischer Kalkstein
Maße
H 1,37 m, B 1,08 m
Belege
CIL XIII 8648 · lupa 15513
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vor 43 n. Chr.Grabstein · Xanten (Vetera I)

Grabstein, gesetzt von L. Vettius Reginus

Ein Adlerträger der 21. Legion für seinen Enkel oder Neffen

Inschrift

L Ati…
filius H…
L Vettius L f Vol[tinia]
Reginus aquilif
leg XXI nepoti suo
pro pietate sua
f c

Lesung

L(ucius) Ati…
filius H…
L(ucius) Vettius L(uci) f(ilius) Vol(tinia tribu)
Reginus aquilif(er)
leg(ionis) XXI nepoti suo
pro pietate sua
f(aciendum) c(uravit)

Übersetzung

L. Ati…, Sohn des H… [hier begraben]. Lucius Vettius Reginus, Sohn des Lucius, aus dem Stimmbezirk Voltinia, Adlerträger der 21. Legion, hat [den Stein] für seinen Enkel [oder Neffen] aus Pflichtgefühl errichten lassen.

Der Verstorbene starb zwischen etwa 10 und 43 n. Chr., als die 21. Legion in Xanten (Vetera I) stationiert war.

Belege
Nach Bridger 1998, S. 65
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um 40 n. Chr.Grabmal · Köln

Grabmal des L. Poblicius

Das größte erhaltene römische Grabmonument Kölns

Inschrift

L Poblicii L f Tere
vetera leg V Alauda ex testamento
et Paullae f et vivis
…o Modesto L P…
h m h n s

Lesung

L(ucio) Poblicio L(uci) f(ilio) Tere(tina tribu)
vetera(no) leg(ionis) V Alauda(e) ex testamento
et Paullae f(iliae) et vivis
…o Modesto L(ucio) P…
h(oc) m(onumentum) h(eredem) n(on) s(equetur)

Übersetzung

Dem Lucius Poblicius, Sohn des Lucius, aus dem Stimmbezirk Teretina, Veteran der 5. Legion „Alaudae“ (der „Lerchen“), nach seinem Testament; und seiner Tochter Paulla sowie den Lebenden … Modestus und Lucius P… Dieses Grabmal geht nicht auf den Erben über.

Fundort
Köln-Südstadt (Chlodwigplatz), 1965–1967 entdeckt; heute im Römisch-Germanischen Museum
Belege
Wolff 2005, S. 16 · Wikipedia: Grabmal des Poblicius
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vor 70 n. Chr.Grabstein · Bonn

Grabstein des Vellaunus

Ein gallischer Reiter aus dem Stamm der Biturigen

Inschrift

Vellaunus Nonni
f Biturix eques
ala Longiniana
turma L Iuli Reguli
an XXXVIII stipendio
rum XVIII h s e
ex [te]stamento factu
curaverunt L Iulius Reg
ulus decurio et Macer Aspadi
f eiusde[m] turma[e]

Lesung

Vellaunus Nonni
f(ilius) Biturix eques
ala(e) Longiniana(e)
turma L(uci) Iuli Reguli
an(norum) XXXVIII stipendio-
rum XVIII h(ic) s(itus) e(st).
Ex testamento factu(m)
curaverunt L(ucius) Iulius Reg-
ulus decurio et Macer Aspadi
f(ilius) eiusdem turmae.

Übersetzung

Vellaunus, Sohn des Nonnus, Biturige, Reiter der Ala Longiniana aus der Schwadron des Lucius Iulius Regulus, 38 Jahre alt, 18 Dienstjahre, liegt hier begraben. Nach dem Testament haben ihn der Schwadronsführer (decurio) Lucius Iulius Regulus und Macer, Sohn des Aspadius, aus derselben Schwadron errichten lassen.

Die Ala Longiniana ist bis 70 n. Chr. in Bonn bezeugt.

Fundort
Bonn, am Johanneskreuz, zwischen Kölnstraße und Rosental
Maße (B×H×T)
74 × 221 × 35 cm
Belege
Lehner 1918, S. 257 f., Nr. 650
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um 70 n. Chr.Grabstein · Bonn

Grabstein des Q. Petilius Secundus

Im Dienst jung verstorben

Inschrift

Q Petilius Q f Ofen
Secundus domo
Medio miles leg
XV Prim ann XXV
stip V h ex t f c

Lesung

Q(uintus) Petilius Q(uinti) f(ilius) O(u)fen(tina tribu)
Secundus domo
Medio(lano) miles leg(ionis)
XV Prim(igeniae) ann(orum) XXV
stip(endiorum) V h(eres) ex t(estamento) f(aciendum) c(uravit)

Übersetzung

Quintus Petilius Secundus, Sohn des Quintus, aus dem Stimmbezirk Oufentina, gebürtig aus Mediolanum (Mailand), Soldat der 15. Legion Primigenia, 25 Jahre alt, 5 Dienstjahre. Der Erbe hat [den Stein] nach dem Testament errichten lassen.

In einer Bogennische steht die Ganzfigur eines Soldaten mit Waffen: Schuhe, Paenula und kurze Tunika mit zwei Gürteln, am oberen rechts das Schwert (gladius), am unteren links der Dolch. Vom oberen Gürtel hängen in der Mitte vier Riemenzungen mit Lunulae. In der Rechten ein Wurfspeer (pilum). In den Zwickeln über dem Bogen Akanthusblätter, am Bogenrand ein gedrehtes Band.

Fundort
Bonn, 1755 beim Erweiterungsbau des Residenzschlosses
Maße (B×H×T)
61 × 163 × 15 cm
Belege
CIL XIII 8079 · lupa 15518 · Abb. bei Stoll 2006, S. 233
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vor 70 n. Chr.Grabstein · Köln

Grabstein des Q. Pompeius Burrus

Ein Soldat aus Forum Iulii (Fréjus)

Grabstein des Quintus Pompeius Burrus

Inschrift

Q Pompei
us Q f Anien
sis Foro Iuli
Burrus mil ex
leg XV ann L
stip XX h s e h f c

Lesung

Q(uintus) Pompei-
us Q(uinti) f(ilius) Anien-
sis Foro Iuli
Burrus mil(es) ex
leg(ione) XV ann(orum) L
stip(endiorum) XX h(ic) s(itus) e(st) h(eres) f(aciendum) c(uravit)

Übersetzung

Quintus Pompeius Burrus, Sohn des Quintus, aus dem Stimmbezirk Aniensis, aus Forum Iulii (Fréjus), Soldat der 15. Legion, 50 Jahre alt, 20 Dienstjahre, liegt hier begraben. Der Erbe hat [den Stein] errichten lassen.

Die 15. Legion (Primigenia) lag zuletzt in Xanten und wurde nach dem Bataveraufstand 70 n. Chr. aufgelöst.

Fundort
Köln, Luxemburger Straße, 1897
Belege
CIL XIII 8284 · NN 1967, S. 179
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vor 70 n. Chr.Grabstein · Bonn

Grabstein des M. Cominius

Ein erfahrener Soldat aus Asta (Asti)

Inschrift

M Cominius
L f Pol Asta
miles leg I
nat an L mil
an XIIII h s e
h ex t f c

Lesung (2019)

M(arcus) Cominius
L(uci) f(ilius) Pol(lia tribu) Asta
miles leg(ionis) I
nat(us) an(nos) L mil(itavit)
an(nos) XIIII h(ic) s(itus) e(st)
h(eres) ex t(estamento) f(aciendum) c(uravit)

Deutung von 1783

Marcus Cominius
Lucii filius Pollia astatus
miles legionis Tiberianae
nativitatis anno quinquagesimo militavit
annos quatuordecim hic sepultus est
heres ex testamento fieri curavit

Übersetzung

Marcus Cominius, Sohn des Lucius, aus dem Stimmbezirk Pollia, aus Asta, Soldat der 1. Legion, 50 Jahre alt, 14 Dienstjahre, liegt hier. Der Erbe hat [den Stein] nach dem Testament errichten lassen.

Gerahmtes Schriftfeld, unten glatte Sockelzone, oben gerahmter Giebel mit Rosette und Palmettenakroteren, von denen Tänien ausgehen. – Die Legio I Germanica wurde 35 n. Chr. nach Bonn verlegt und gründete dort das Legionslager (castra Bonnensia); nach der Niederschlagung des Bataveraufstands 70 n. Chr. wurde sie aufgelöst. Die Fehldeutung „legio Tiberiana“ von 1783 zeigt, wie früh sich die Altertumsfreunde mit dem Stein beschäftigten.

Fundort
Bonn, Römerplatz (Remigiusplatz)
Maße (B×H×T)
61 × 104 × 21 cm
Belege
Materialien zur geist- und weltlichen Statistick des niederrheinischen und westphälischen Kreises, 2. Jg., Bd. 1, 1783, S. 349 ff. · Gerolt 1810, S. 74 f. · Müller 1834, S. 16 f. · Steiner 1837, S. 74 f. · Lersch 1840, Nr. 43 · Overbeck 1851, Nr. 72 · CIL XIII 8057 (ohne Abb.) · lupa 15553 (datiert Mitte 1. Jh.) · Abb. bei Stoll 2006, S. 231
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vor 70 n. Chr.Grabstein · Bonn

Grabstein des Pintaius, Sohn des Pedilicus

Ein Feldzeichenträger (signifer) aus Asturien

Grabstein des Pintaius
Darstellung von 1840

Inschrift

Pintaius Pedilici
f Astur trans
montanus castelo
Intercatia signifer
cho V Asturum
anno XXX stip VII
h ex t f c
ave

Lesung

Pintaius Pedilici
f(ilius) Astur trans-
montanus castel(l)o
Intercatia signifer
c(o)ho(rtis) V Asturum
anno(rum) XXX stip(endiorum) VII
h(eres) ex t(estamento) f(aciendum) c(uravit)
ave

Übersetzung

Pintaius, Sohn des Pedilicus, Asturer von jenseits des Gebirges, aus dem Kastell Intercatia (Nordspanien), Feldzeichenträger der 5. Kohorte der Asturer, 30 Jahre alt, 7 Dienstjahre. Der Erbe hat [den Stein] nach dem Testament errichten lassen. Sei gegrüßt!

„Der Verstorbene steht in grader Ansicht und ganzer Gestalt in der Nische in glatt anliegendem Untergewand, wenn nicht ein Panzer gemeint ist, bewaffnet mit Helm, Dolch an der rechten, Schwerdt an der linken Seite und mit einem Thierfell über der Rüstung bekleidet, welches, auch den behelmten Kopf umhüllend, mit den Vorderpfoten auf der Brust befestigt ist. In der Rechten hält Pintaius ein eigenthümliches Signum.“ (Overbeck 1851)
Fundort
Bonn, beim Erweiterungsbau des Residenzschlosses (nach EDH 1748); heute LVR-LandesMuseum Bonn
Maße (B×H)
26 × 150 cm
Belege
CIL XIII 8098 · ILS 2580 · EDH HD078215 · Lehner 1918, S. 264, Nr. 658 · Bauchhenß 1978, S. 26 f., Nr. 5, Taf. 10 · Müller 1834, S. 266 f., Nr. 7 · Lersch 1840, Nr. 42 · Overbeck 1851, Nr. 34 · Wikipedia: Cohors V Asturum · Wikipedia-Diskussion „Pelagius of Asturias“

Lesung nach EDH: Der Vatersname lautet Pedilicus, die Dienstzeit 7 Jahre (STIP VII); am Ende steht der Gruß AVE. Ältere Abschriften lasen „Pedelici“ und „sti VI“.

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um 70 n. Chr.Grabstein · Bonn

Grabstein des L. Piperacius Optatus

Ein junger Soldat aus Oberitalien

Inschrift (erhalten)

L Piper[ac]ius
L f St[el Op]ta
tus d[omo Ta]
urin[us mil]
leg X[V Prim]
an XX[III stip IV]
h ex [t f c]

Lesung

L(ucius) Piperacius
L(uci) f(ilius) Stel(latina tribu) Opta-
tus domo Ta-
urinus mil(es)
leg(ionis) XV Prim(igeniae)
an(norum) XXIII stip(endiorum) IV
h(eres) ex t(estamento) f(aciendum) c(uravit)

Übersetzung

Lucius Piperacius Optatus, Sohn des Lucius, aus dem Stimmbezirk Stellatina, gebürtig aus Augusta Taurinorum (Turin), Soldat der 15. Legion Primigenia, 23 Jahre alt, 4 Dienstjahre. Der Erbe hat [den Stein] nach dem Testament errichten lassen.

Oben drei mit Giebeln abgeschlossene Bildfelder, in den seitlichen je eine hockende Sphinx, im mittleren eine profiliert gerahmte Bogennische mit der bekleideten Schulterbüste eines Mannes. In den Zwickeln über dem Bogen und in den Giebeln Rosetten und Blätter, über dem mittleren Giebel Palmzweige. Auf den seitlichen Rahmenleisten des Schriftfeldes Efeuranken. Unter dem Schriftfeld ein ungerahmtes Sockelbild mit zwei Bäumen, zwischen denen eine Girlande hängt.

Fundort
Bonn, 1755 beim Erweiterungsbau des Residenzschlosses
Maße (B×H×T)
72 × 162 × 14 cm
Belege
CIL XIII 8080 · lupa 15550
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um 75 n. Chr.Grabmal · Köln

Grabmal des M. Valerius Celerinus

Ein Veteran aus Spanien, Bürger Kölns

Grabmal des Marcus Valerius Celerinus

Inschrift

M Val Celerinus
Papiria Astigi
cives Agrippine
veter leg X G P F
vivos fecit sibi
et Marciae Procul uxori

Lesung

M(arcus) Val(erius) Celerinus
Papiria (tribu) Astigi
cives Agrippine(nsis)
veter(anus) leg(ionis) X G(eminae) P(iae) F(idelis)
vivos fecit sibi
et Marciae Procul(ae) uxori

Übersetzung

Marcus Valerius Celerinus aus dem Stimmbezirk Papiria, gebürtig aus Astigi (heute Écija, Spanien), Bürger der Colonia Agrippinensis, Veteran der 10. Legion Gemina Pia Fidelis, hat [das Grabmal] zu Lebzeiten für sich und seine Frau Marcia Procula errichten lassen.

Fundort
Köln, Richard-Wagner-Straße, 1895
Belege
CIL XIII 8283 · lupa 22675 · Wolff 2005, S. 36
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um 85 n. Chr.Grabstein · Köln

Grabstein des T. Iulius Tuttius

Ein Soldat aus Kärnten wird in Köln begraben

Grabstein des Titus Iulius Tuttius mit Totenmahlszene

Inschrift

T Iulio Tuttio T f
Claudia Viruno
mil leg XXII Primig
ann XXXXIII sti XIIX

Lesung

T(ito) Iulio Tuttio T(iti) f(ilio)
Claudia (tribu) Viruno
mil(iti) leg(ionis) XXII Primig(eniae)
ann(orum) XXXXIII sti(pendiorum) XIIX [h(eres) p(osuit)]

Übersetzung

Dem Titus Iulius Tuttius, Sohn des Titus, aus dem Stimmbezirk Claudia, aus Virunum, Soldat der 22. Legion Primigenia, 43 Jahre alt, 18 Dienstjahre. Der Erbe hat [den Stein] aufgestellt.

Der Verstorbene, in eine Toga gekleidet, liegt auf einer Kline (Speisesofa), in der Hand einen Henkelbecher; neben ihm zwei Diener, vor ihm ein dreibeiniger Tisch mit zwei Gefäßen und eine kleine Amphore. – Das Municipium Claudium Virunum lag in der Provinz Noricum auf dem heutigen Zollfeld bei Maria Saal in Kärnten.

Fundort
Köln, Eigelstein
Maße (B×H×T)
75 × 111 × 19 cm
Belege
CIL XIII 8289 · lupa 20696
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vor 96 n. Chr.Grabstein · Köln

Grabstein des T. Flavius Bassus

Ein thrakischer Reiter der Ala Noricorum

Reitergrabstein des Titus Flavius Bassus

Inschrift

T Flavius Bassus Mucalae
f Dansala eq alae Nori
coru tur Fabi Pudentis
an XXXXVI stip XXVI h f c

Lesung

T(itus) Flavius Bassus Mucalae
f(ilius) Dansala eq(ues) alae Nori-
coru(m) tur(ma) Fabi Pudentis
an(norum) XXXXVI stip(endiorum) XXVI h(eres) f(aciendum) c(uravit)

Übersetzung

Titus Flavius Bassus, Sohn des Mucala, Dansala (aus dem Stamm der Dentheleten, im heutigen Bulgarien), Reiter der Ala Noricorum aus der Schwadron des Fabius Pudens, 46 Jahre alt, 26 Dienstjahre. Der Erbe hat [den Stein] errichten lassen.

Bildnische mit flachem Bogenabschluss, in den Zwickeln Blattdekor. Ein Reiter mit Schild, Lanze und Schwert galoppiert über einen gefallenen Gegner hinweg; hinter ihm ein Pferdeknecht (calo).

Fundort
Köln, Gereonstraße
Maße (B×H×T)
119 × 174 × 61 cm
Belege
CIL XIII 8308 · lupa 20697
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89–96 n. Chr.Grabstein · Bonn

Grabstein des L. Magius Dubius

Ein Waffenwart aus Mailand

Inschrift

L Magius L
Ouf Dubius
Mediolani mil
leg I F M P F D ar
morum custos
Aufidi Martialis
ann XXXI stip XIII
h f c

Lesung

L(ucius) Magius L(uci) (filius)
Ouf(entina tribu) Dubius
Mediolani mil(es)
leg(ionis) I F(laviae) M(inerviae) p(iae) f(idelis) D(omitianae) ar-
morum custos (centuria)
Aufidi Martialis
ann(orum) XXXI stip(endiorum) XIII
h(eres) f(aciendum) c(uravit)

Übersetzung

Lucius Magius Dubius, Sohn des Lucius, aus dem Stimmbezirk Oufentina, aus Mailand, Soldat der 1. Legion Flavia Minervia Pia Fidelis Domitiana, Waffenwart in der Centurie des Aufidius Martialis, 31 Jahre alt, 13 Dienstjahre. Der Erbe hat [den Stein] errichten lassen.

Die 1. Legion erhielt für ihre Treue im Saturninus-Aufstand (89 n. Chr.) den Ehrennamen „Domitiana“, der nach der Ermordung Domitians (96 n. Chr.) wieder entfiel. Daraus ergibt sich die Datierung.

Fundort
Bonn, Kölnstraße, 1874
Maße (B×H×T)
63 × 144 × 14 cm
Belege
CIL XIII 8071 · EDH HD07826 · Schumacher 2001, S. 252 · Lehner 1918, Nr. 606
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2. Jh. n. Chr.Grabstein · Bonn

Grabstein der Familie des C. Scaptius

Ein Familiengrab

Inschrift

C Scaptio C … R
Attico Scaptiae Phyl
lidi C Scaptio Nuceri
no Octaviae Liberali
Scaptiae Pris…
Pi…
cus …
…

Lesung

C(aio) Scaptio C(ai) [f(ilio)] R…
Attico Scaptiae Phyl-
lidi C(aio) Scaptio Nuceri-
no Octaviae Liberali
Scaptiae Pris[ca]e …
Pi[…]ius [Luper-]
cus […]
[…]

Übersetzung

Dem Caius Scaptius Atticus, Sohn des Caius, der Scaptia Phyllis, dem Caius Scaptius Nucerinus, der Octavia Liberalis, der Scaptia Prisca … Pi…ius Lupercus …

Die gens Scaptia war eine plebejische Familie im alten Rom.

Fundort
Bonn, Hundsgasse/Belderberg (gefunden von Dr. Crevelt)
Maße (B×H×T)
91 × 66 × 13 cm
Belege
CIL XIII 8116 · EDH HD080526 · Lehner 1918, Nr. 796 · Horn 1987, S. 383 (mit Abb.)
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164 n. Chr.Weihestein · Bonn

Weihestein des Q. Vettius Severus für die Aufanischen Matronen

Ein Quästor der Kölner Colonia

Matronenstein des Quintus Vettius Severus
Foto: Kleon3, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Inschrift

Matronis
Aufaniabus
Q Vettius Severus
quaestor CCAA
votum solvit l m
Macrino et Celso cos

Lesung

Matronis
Aufaniabus
Q(uintus) Vettius Severus
quaestor C(oloniae) C(laudiae) A(rae) A(grippinensium)
votum solvit l(ibens) m(erito)
Macrino et Celso co(n)s(ulibus)

Übersetzung

Den Aufanischen Matronen hat Quintus Vettius Severus, Quästor der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln), sein Gelübde gern und nach Gebühr eingelöst, als Macrinus und Celsus Konsuln waren (164 n. Chr.).

Fundort
Bonn, unter dem Münster, 1928
Belege
lupa 20523 · Hans Lehner, Römische Steindenkmäler von der Bonner Münsterbasilika, in: Bonner Jahrbücher 135, 1930, Nr. 19, Taf. VIII
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um 168 n. Chr.Weihestein · Köln

Weihestein des T. Flavius Constans für Vagdavercustis

Ein hoher römischer Offizier ehrt eine germanische Göttin

Weihestein für die Göttin Vagdavercustis mit Opferszene

Inschrift

Deae
Vagdavercusti
Titus Flavius
Constans praef
praet em v

Lesung

Deae
Vagdavercusti
Titus Flavius
Constans praef(ectus)
praet(orio) e(mi)n(entissimus) v(ir)

Übersetzung

Der Göttin Vagdavercustis [weiht diesen Stein] Titus Flavius Constans, Prätorianerpräfekt, „vir eminentissimus“ (höchster Rang des Ritterstandes).

Der Stifter opfert im Beisein von drei Opferdienern, darunter ein Flötenspieler; ein Knabe assistiert mit einem Kästchen. Vagdavercustis war eine germanische Göttin, die in der römischen Kaiserzeit vor allem am Niederrhein verehrt wurde; man deutet sie als Göttin des Krieges oder des Kampfes.

Fundort
Köln, Wolfstraße, 1909
Maße (B×H×T)
82 × 117 × 43 cm
Belege
CIL XIII 12057 · lupa 20668 · evolution-mensch.de
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nach 166 n. Chr.Weihestein · Köln

Weihestein des C. Iulius Mansuetus für die Aufanischen Matronen

Ein Soldat der Bonner Legion kehrt vom Kaukasus zurück

Weihestein des Caius Iulius Mansuetus

Inschrift

Matronis
Aufanib C
Iul Mansue
tus m l I M
p f v s l m fui
t ad Alutu
flumen secus
mont Caucasu

Lesung

Matronis
Aufan(i)ab(us) C(aius)
Iul(ius) Mansue-
tus m(iles) l(egionis) I M(inerviae)
p(iae) f(idelis) v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito). Fui-
t ad Alutu(m)
flumen secus
mont(em) Caucasu(m).

Übersetzung

Den Aufanischen Matronen hat Caius Iulius Mansuetus, Soldat der 1. Legion Minervia Pia Fidelis, sein Gelübde gern und nach Gebühr eingelöst. Er war am Fluss Alutus (Alasani) am Fuß des Kaukasus.

Der Militärdienst führte Mansuetus von Bonn an den äußersten Rand des Imperium Romanum, an den Kaukasus. Er diente dort während des Partherkriegs (162–166 n. Chr.) unter dem Oberbefehl des Mitkaisers Lucius Verus. Ungewöhnlich ist, dass er diesen Einsatz ausdrücklich auf dem Weihestein festhielt. Vermutlich geriet er in eine gefährliche Lage und gelobte den Matronen den Stein für den Fall, dass er lebend davonkäme.

Fundort
Köln
Belege
CIL XIII 8213 · EDCS-01200051 · Deutung des Flusses als Alasani nach Speidel 2020 (DOI, frei zugänglich)
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um 175 n. Chr.Weihestein · Bonn

Weihestein des C. Iulius Agelaus und der Melitene

Ein Veteran bittet die Unterweltsgötter um sein Augenlicht

Inschrift

Dis infernis
Plutoni et Proser
C Iul Agelaus
vet leg I M P F
pro lumine suo
pro salute sua
et Meletenis v s l

Lesung

Dis infernis
Plutoni et Proser(pinae)
C(aius) Iul(ius) Agelaus
vet(eranus) leg(ionis) I M(inerviae) P(iae) F(idelis)
pro lumine suo
pro salute sua
et Meletenis v(otum) s(olvit) l(ibens)

Übersetzung

Den Göttern der Unterwelt, Pluto und Proserpina, hat Caius Iulius Agelaus, Veteran der 1. Legion Minervia Pia Fidelis, für sein [Augen-]Licht, für sein Wohl und das der Melitene sein Gelübde gern eingelöst.

Beide Personen stammen den Namen nach aus dem Osten des Reiches (Stoll 2006).

Fundort
Bonn, unter dem Münster, 1928
Belege
AE 1930, 32 · Stoll 2006, S. 270 · Siebourg 1933, S. 124 ff. (mit Abb.)
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um 193/197 n. Chr.Weihestein · Bad Godesberg

Weihestein des Q. Venidius Rufus für Äskulap und Hygieia

Die Godesberger Heilquelle schon in römischer Zeit?

Inschrift

Fortunis
salutaribu
Aesculapio Hyg
Q Venidius Ruf
Mariu Maxim
L Calvinianu
g leg I Min
leg Aug pr
provinc Cilic

Lesung

Fortunis
Salutaribu(s)
Aesculapio Hyg(iae)
Q(uintus) Venidius Ruf(us)
Mariu(s) Maxim(us)
L(ucius) Calvinianu(s)
[le]g(atus) leg(ionis) I Min(erviae)
leg(atus) Aug(usti) pr(o) [pr(aetore)]
provinc(iae) Cilic(iae)
d(onum) [d(edit)]

Übersetzung

Den heilbringenden Fortunen, dem Äskulap und der Hygieia schenkt [diesen Stein] Quintus Venidius Rufus Marius Maximus Lucius Calvinianus, Legat der 1. Legion Minervia, kaiserlicher Statthalter im Rang eines Prätors der Provinz Kilikien.

„Der Stifter, dessen viele Namen auf Adoption und Hinzufügung der Namen mütterlicher Verwandter beruhen, war gegen Ende des 2. Jhdts. Kommandeur der legio I Minervia, wurde dann zum Statthalter von Cilicien ernannt, 198 war er Statthalter von Syria Phoenice, dann quindecimvir sacris faciundis, 204 bei den ludi saeculares in Rom und gleichzeitig curator alvei Tiberis, endlich 205 Statthalter von Germania Inferior.“ (Lehner 1918)

Als Statthalter Niedergermaniens dürfte er sich auch in Godesberg aufgehalten haben. Der Stein, 1583 in der Godesburg verbaut gefunden, stammt vermutlich aus einem Heilbad. Es liegt nahe, dass die Godesberger Quelle schon in römischer Zeit genutzt wurde.

Material
Trachyt
Fundort
Bad Godesberg, 1583 im Torbogen der Godesburg in Zweitverwendung
Maße (B×H×T)
65 × 110 × 39 cm
Belege
CIL XIII 7994 · Lehner 1918, S. 81, Nr. 161 · EDCS-11100218 · Horn 1987, S. 383 · Brambach 1867, S. 119 (in der vorletzten Zeile „PROVINCGINI…“) · Wikipedia: Äskulapstein (Godesburg)
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nach 197 n. Chr.Grabstein · Lyon

Grabstein für Victoria Ursula

Eine Kölnerin in Lyon

Inschrift

D M
et memoriae aeternae
Victoriae Ursulae feminae
sanctissimae civi
Agrippinens quae mecum vixit
annis XX m X d XX
sine ulla animi mei laesione Titico
nius Verinus miles leg XXX
coniugi

Lesung

D(is) M(anibus)
et memoriae aeternae
Victoriae Ursulae feminae
sanctissimae civi
Agrippinens(i) quae mecum vixit
annis XX m(ensibus) X d(iebus) XX
sine ulla animi mei laesione. Titico-
nius Verinus miles leg(ionis) XXX
coniugi

Übersetzung

Den Totengeistern und dem ewigen Angedenken an Victoria Ursula, die tugendhafteste Frau, Bürgerin Kölns, die mit mir 20 Jahre, 10 Monate und 20 Tage gelebt hat, ohne meine Seele je zu kränken. Titiconius Verinus, Soldat der 30. Legion, [hat den Stein] für seine Gattin [aufstellen lassen].

Abteilungen der in Xanten stationierten 30. Legion lagen nach der Schlacht von Lugdunum (197 n. Chr.) in Lyon. Titiconius Verinus hatte zuvor wohl im Rheinland gedient und dort seine Frau kennengelernt.

Fundort
Lyon, 1731; heute verschollen
Belege
CIL XIII 1904 · Reuter 2012, S. 130
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um 200 n. Chr. (?)Grabstein · Bonn

Griechischer Grabstein der Hyle (Demo) aus Thessaloniki

Die einzige griechische Versinschrift vom Rhein

Zeichnung des griechischen Grabsteins nach Dorow
Nach Dorow 1823, Taf. 19

Inschrift (Abschrift)

ΘΕΣΣΑΛΟΝΕΙΚΗ Μ …
ΠΑΤΡΙΣ ΕΠΛΕΤΟ ΟΥΝ …
ΔΗΜΟΙ ΚΑΜ ΑΣΙΟΣ Β …
ΑΣ … ΥΙΟΣ ΦΙΛΤΡΟΙΣΙ ΔΑΜ …
ΕΥΝΟΥΧΟΣ ΠΕΡ ΕΗ …
… ΚΥΡΟΝ ΕΗΝ ΛΑΧΟ …
ΙΜΑΙ Δ ΕΝΘΑ Λ …
ΣΟΝ ΑΝΕΥΘΕ Π Ρ … ΤΡ …

Übersetzung

Thessalonike war meine Heimat, und Hyle (Demo) war mein Name. Asios, Sohn des Batallos, bezwang mich mit Liebestränken, obwohl er ein Eunuch war. So blieb mein Ehebett fruchtlos. Und nun liege ich hier, so weit entfernt von meinem Vaterland.

Einer der wenigen nicht lateinischen Grabsteine der Region. Er belegt – wie die Herkunftsangaben auf vielen anderen Steinen – die kulturelle Vielfalt in der Provinz Niedergermanien. Wegen der Schäden am rechten Rand und der nachlässigen Schreibweise ist die Entzifferung unsicher.

Fundort
Bonn, Remigiusplatz (Römerplatz)
Belege
Lersch 1840, S. 39 · Dorow 1823, Text S. 51 f. (mit starken Abweichungen), Bildband Taf. 19
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vor 200 n. Chr.Weihestein · Bonn

Weihestein des Legaten L. Calpurnius Proclus

Zur Fertigstellung des Bonner Lazaretts

Inschrift

Herculi
L Calpur
nius Pro
clus legat Aug
leg I M P F
[p]eracto op
[e]re valetudinar

Lesung

Hercul(i)
L(ucius) Calpur-
nius Pro-
clus legat(us) Aug(usti)
leg(ionis) I M(inerviae) P(iae) F(idelis)
[p]eracto ope-
[r]e valetudinar(ii)

Übersetzung

Dem Hercules [weiht diesen Stein] Lucius Calpurnius Proclus, kaiserlicher Legat der 1. Legion Minervia Pia Fidelis, nach Fertigstellung des Lazaretts.

Proclus (auch Proculus) stammte aus Ancyra (Ankara). Er war zuvor Militärtribun der Legio XIII Gemina in Dakien, Quästor, Volkstribun, Prätor und curator viarum; Ende des 2. Jahrhunderts befehligte er die Legio I Minervia in Bonn. Mit seiner Gattin Domitia Regina weihte er dort auch den Aufanischen Matronen Altäre.

Belege
CIL XIII 8009 · Jens Wegmann in Claßen/Rind/Schürmann/Trier 2022, S. 329
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nach 200 n. Chr. (?)Grabstein · Chalon-sur-Saône

Grabstein für Natinia Valentina

Noch eine Kölnerin in Gallien

Inschrift

D M
et aeternae memoriae Iustin
i Mercatoris civis Treveri
veterani leg XXX V V V et
Natiniae Valentinae civi
Agrippinensi coniugi eius m
Mercator et Mercurial fil
vivo patri ponendum cur

Lesung

D(is) M(anibus)
et aeternae memoriae Iustin-
i Mercatoris civis Treveri
veterani leg(ionis) XXX U(lpiae) V(ictricis) v(ivi) et
Natiniae Valentinae civi
Agrippinensi coniugi eius m(ortuae)
Mercator et Mercurial(is) fil(ii)
vivo patri ponendum cur(averunt)

Übersetzung

Den Totengeistern und dem ewigen Angedenken an Iustinius Mercator, Bürger der Treverer, Veteran der 30. Legion Ulpia Victrix, zu seinen Lebzeiten, und an Natinia Valentina, Bürgerin Kölns, seine verstorbene Gattin. Die Söhne Mercator und Mercurialis haben dies für ihren noch lebenden Vater aufstellen lassen.

Warum Iustinius zuletzt in Cavillonum (Chalon-sur-Saône) lebte, ist unbekannt.

Fundort
Chalon-sur-Saône, um 1675; heute verschollen
Belege
CIL XIII 2614 · Reuter 2012, S. 151 f.
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227 n. Chr.Weihealtar · Nettersheim

Weihealtar des Nepotinius Nepotianus für die Aufanischen Matronen

Inschrift

Matribus Aufan
Nepotinius
Nepotianus
bf cos pro se et
suis v s l m
Albino et Maxi
mo cos

Lesung

Matribus Aufan(iabus)
Nepotinius
Nepotianus
b(ene)f(iciarius) co(n)s(ularis) pro se et
suis v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)
Albino et Maxi-
mo co(n)s(ulibus)

Übersetzung

Den Aufanischen Müttern hat Nepotinius Nepotianus, Benefiziarier des Statthalters, für sich und die Seinen sein Gelübde gern und nach Gebühr eingelöst, als Albinus und Maximus Konsuln waren (227 n. Chr.).

Fundort
bei Nettersheim
Maße (B×H×T)
57 × 51 × 24 cm
Belege
Lehner 1918, S. 133 f., Nr. 282
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1. Juli 239 n. Chr.Weihestein · Xanten

Weihestein des T. Quartinius Saturnalis für Jupiter, Juno und Minerva

Für die altehrwürdige Kapitolinische Trias

Weihestein mit der Kapitolinischen Trias

Inschrift

I O M Iunoni Regine
Minervae T Quartini
us Saturnalis signi
fer leg XXX V V pro se
et suis v s l m
[i]mp d n Gordiano et Aviola cos kal Iul

Lesung

I(ovi) O(ptimo) M(aximo) Iunoni Regin(a)e
Minervae T(itus) Quartini-
us Saturnalis signi-
fer leg(ionis) XXX U(lpiae) V(ictricis) pro se
et suis v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)
[i]mp(eratore) d(omino) n(ostro) Gordiano et Aviola co(n)s(ulibus) Kal(endis) Iul(iis)

Übersetzung

Dem Jupiter Optimus Maximus, der Königin Juno und der Minerva hat Titus Quartinius Saturnalis, Feldzeichenträger der 30. Legion Ulpia Victrix, für sich und die Seinen sein Gelübde gern und nach Gebühr eingelöst – unter dem Konsulat unseres Herrn, des Kaisers Gordian, und des Aviola, an den Kalenden des Juli (1. Juli 239 n. Chr.).

„Großes Denkmal, oben in eine Aedicula mit flachem Giebeldach ausgearbeitet. In der rechteckigen Bildnische, die von zwei mit reichem Akanthusrankenwerk verzierten Pilastern flankiert ist, steht unter einem schirmartigen Muscheldach, dessen Spitze vorn in ein vampyrartiges Tier ausgearbeitet scheint, die kapitolinische Trias. In der Mitte Jupiter, von vorne gesehen, auf dem rechten Fuß feststehend, den Oberkörper etwas nach rechts gewendet, nackt, nur den Mantel über die linke Schulter gehängt, Gesicht und Bart bestoßen. In der erhobenen Linken hält er das Szepter, in der gesenkten Rechten den Blitz. Zu seiner Rechten am Boden sitzt der Adler. Rechts steht Juno, bekleidet mit gegürtetem Chiton und Mantel, der über den halb zerstörten Kopf gezogen ist, in der erhobenen Linken das Szepter; in der gesenkten Rechten einen undeutlichen Gegenstand, vielleicht ein Kästchen, haltend; darunter steht der Pfau. Links steht Minerva in Chiton und Mantel, auf der Brust die Aegis, das nur halb erhaltene Haupt mit dem Helm mit hohem Helmbusch bedeckt; die gesenkte Linke stützt sich auf den am Boden stehenden Schild, in der erhobenen Rechten hält sie ein Szepter (keine Lanze), über welchem die Eule sitzt, deren Kopf fehlt.“ (Lehner 1918)

Ähnlich ist der Weihestein des Tertinius Vitalis aus dem Jahr 232, ebenfalls aus Xanten (Lehner 1918, S. 29). Die Legio XXX Ulpia Victrix wurde um 105 n. Chr. von Kaiser Trajan (Marcus Ulpius Traianus) aufgestellt und lag ab etwa 120 in Xanten.

Fundort
bei Xanten, 1617
Maße (B×H×T)
75 × 120 × 32 cm
Belege
CIL XIII 8625 · EDH HD075265 · Lehner 1918, S. 53 f. · lupa 31991
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um 245 n. Chr. (?)Ehreninschrift · Benevent

Ehreninschrift für M. Marius Titius Rufinus

Die Laufbahn eines Kurators von Köln – überliefert in Italien

Inschrift

M Mario M f
Stel Titio Rufino
cos
leg leg I Miner p f
cur col Claud Aug
Agrippinensium
procos prov Siciliae
cur Amerinor praet
tr pl q prov Macedon
sevir turmar eq Rom
trib laticl leg I adi p f
[X] viro stlitib iudic
Fides cum Hellade et
Tertio parenti b m fec

Lesung

M(arco) Mario M(arci) f(ilio)
Stel(latina tribu) Titio Rufino
co(n)s(uli)
leg(ato) leg(ionis) I Miner(viae) p(iae) f(idelis)
cur(atori) col(oniae) Claud(iae) Aug(ustae)
Agrippinensium
procos(uli) prov(inciae) Siciliae
cur(atori) Amerinor(um) praet(ori)
tr(ibuno) pl(ebis) q(uaestori) prov(inciae) Macedon(iae)
seviro turmar(um) eq(uitum) Rom(anorum)
trib(uno) laticl(avio) leg(ionis) I adi(utricis) p(iae) f(idelis)
[X]viro stlitib(us) iudic(andis)
Fides cum Hellade et
Tertio parenti b(ene) m(erenti) fec(erunt)

Übersetzung

Dem Marcus Marius Titius Rufinus, Sohn des Marcus, aus dem Stimmbezirk Stellatina, Konsul, Legat der 1. Legion Minervia Pia Fidelis, Kurator der Colonia Claudia Augusta Agrippinensium (Köln), Prokonsul der Provinz Sizilien, Kurator von Ameria, Prätor, Volkstribun, Quästor der Provinz Makedonien, Sevir einer Schwadron der römischen Ritter, Militärtribun mit breitem Purpurstreifen der 1. Legion Adiutrix Pia Fidelis, Mitglied des Zehnmännerkollegiums für Rechtsstreitigkeiten. Fides hat [dies] mit Hellas und Tertius ihrem wohlverdienten Vater errichtet.

Die Ämter sind – wie üblich – in absteigender Reihenfolge genannt. Unter dem Kommando des Titius Rufinus weihte die 1. Legion 229 n. Chr. dem Jupiter und anderen Göttern einen Altar (CIL XIII 8017; Lehner 1918, S. 50 f.; EDCS-11100242). Der Stein selbst ist nur durch Gruters Sammlung überliefert: „E Metelli, Pighii et Verdereii schedis, Beneventi in horreo templi Annunciatae, in basi.“

Fundort
Benevent (Italien); verschollen (Hainzmann 2021, S. 16)
Belege
Gruterus 1616, S. 436 (Digitalisat) · Hainzmann 2021, S. 16 · Camodeca 2013

Die Abschrift überliefert im Amt des Zehnmanns „IIII viro“; gemeint ist der decemvir stlitibus iudicandis.

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1. September 252 n. Chr.Weihestein · Bonn

Weihestein des Venconius Crescens und des Iulius Felix

Zwei Benefiziarier weihen allen Göttern

Inschrift

In h d d I O M
et genio loci
dis deabusq
ue omnibus ad
Venconius Cr
escens et Iulius
Felix bb ff leg
[l]eg I M p f pro se
[et] suis v s l m kal
Sep impp dd nn Gal
lo et Volusiano
[a]ugg coss

Lesung

In h(onorem) d(omus) d(ivinae) I(ovi) O(ptimo) M(aximo)
et genio loci
dis deabusq-
ue omnibus ad[iutoribus?]
Venconius Cr-
escens et Iulius
Felix b(ene)f(iciarii) leg(ati)
[l]eg(ionis) I M(inerviae) p(iae) f(idelis) pro se
[et] suis v(otum) s(olverunt) l(ibentes) m(erito) Kal(endis)
Sep(tembribus) Imp(eratoribus) d(ominis) n(ostris) Gal-
lo et Volusiano
[A]ugg(ustis) co(n)s(ulibus)

Übersetzung

Zu Ehren des Kaiserhauses: dem Jupiter Optimus Maximus, dem Schutzgeist des Ortes und allen Göttern und Göttinnen haben Venconius Crescens und Iulius Felix, Benefiziarier des Legaten der 1. Legion Minervia Pia Fidelis, für sich und die Ihren ihr Gelübde gern und nach Gebühr eingelöst – an den Kalenden des September, als unsere Herren, die Kaiser Gallus und Volusianus, Konsuln waren (1. September 252 n. Chr.).

Fundort
Bonn
Maße (B×H×T)
24 × 40 × 13 cm
Belege
CIL XIII 8015 · EDH HD080068 · Lersch 1840, Nr. 10 · Overbeck 1851, Nr. 24
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350–420 n. Chr. (?)Bauinschrift · Köln, St. Ursula

Bauinschrift des Clematius

Das älteste Zeugnis der Kölner Jungfrauen-Verehrung

Die Datierung der Clematius-Inschrift ist seit Jahrzehnten aus inhaltlichen und formalen Gründen umstritten: Die Vorschläge reichen vom 3. bis zum 12. Jahrhundert; die Mehrheit der Forschung setzt sie in die Jahre 350 bis 450. Da die Umstände des Neu- oder Umbaus der Kirche mit der Ursula-Legende verknüpft sind, fällt die Einordnung schwer.

Text

Divinis flammeis visionib(us) frequenter
admonit(us) et virtutis magnae mai-
estatis martyrii caelestium virgin(um)
imminentium ex partib(us) Orientis
exsibitus pro voto Clematius v(ir) c(larissimus) de
proprio in loco suo hanc basilicam
voto quod debebat a fundamentis
restituit. Si quis autem super tantam
maiiestatem huius basilicae ubi sanc-
tae virgines pro nomine XPI san-
guinem suum fuderunt corpus alicuiius
deposuerit exceptis virginib(us) sciat se
sempiternis Tartari ignib(us) puniendu(m).

Übersetzung

Durch göttliche Flammenvisionen wiederholt gemahnt und durch die gewaltige Majestät des Martyriums der himmlischen Jungfrauen, die ihm erschienen, aus dem Osten des Reiches herbeigeführt, hat Clematius, ein Mann senatorischen Ranges, auf Grund eines Gelübdes auf eigenem Grund und mit eigenen Mitteln diese Basilika, die er aufgrund des Gelübdes schuldete, von den Grundmauern an wiederhergestellt. Wenn aber jemand in dieser so erhabenen Basilika, wo heilige Jungfrauen für den Namen Christi ihr Blut vergossen, den Leichnam irgendeines Menschen – ausgenommen eine Jungfrau – bestattet, soll er wissen, dass er mit den ewigen Feuern des Tartarus bestraft wird.

Standort
Köln, Basilika St. Ursula
Literatur
NN 1967, S. 129 f. · Eck 2004, S. 636, 644 · Kremer 1993, S. 153 ff. · Winckelmann-Akademie: Köln, St. Ursula (PDF)
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vor 401 n. Chr.Grabstein · Köln

Grabstein des Viatorinus

Von einem Franken bei Deutz getötet

Grabstein des Viatorinus

Inschrift

Viatorinus prot
ector mitavit an
nos triginta o
ccisus in bar
barico iuxta D
ivitia a Franco
vicarius Divitesim

Lesung

Viatorinus prot-
ector mi(li)tavit an-
nos triginta o-
ccisus in bar-
barico iuxta D-
ivitia(m) a Franco.
Vicarius Divite(n)si(u)m [posuit]

Übersetzung

Der Offizier (protector) Viatorinus diente 30 Jahre; er wurde im Barbarenland bei Divitia (Deutz) von einem Franken getötet. [Den Stein setzte] der Vicarius der Divitenser.

Der Stein ist handwerklich unbeholfen gearbeitet und sprachlich fehlerhaft. Er ist ein frühes Zeugnis für die Anwesenheit von Franken auf der rechten Rheinseite und der älteste Beleg für den Namen Divitia (Deutz).

Fundort
Köln, Gereonskloster, 1888
Belege
CIL XIII 8274 · EDCS-01200112 · livius.org
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um 500 n. Chr. (?)Grabstein · Köln

Grabstein für das Mädchen Ursula

Eine frühchristliche Ursula

Frühchristlicher Grabstein des Mädchens Ursula
Römisch-Germanisches Museum Köln

Inschrift

… ulo innocis virgo iacet
… mine Ursula vixit
… nnibus octo
mensibus duobus
… iens quattor

Lesung

[In hoc tum]ulo innocis virgo iacet
[no]mine Ursula vixit
[a]nnibus octo
mensibus duobus
[d]iens quatt(u)or

Übersetzung

In diesem Grab ruht ein unschuldiges Mädchen namens Ursula. Sie lebte acht Jahre, zwei Monate und vier Tage.

Belege
CIL XIII 8485 · Zehnder, Frank Günter: Sankt Ursula. Legende, Verehrung, Bilderwelt. Köln 1985 · Abbildung (Wikimedia)
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Literaturverzeichnis