Was ist eine Mikwe?
Die Mikwe (hebräisch מִקְוֶה, „Ansammlung“ [von Wasser]; Mehrzahl Mikwaot) ist das rituelle Tauchbad einer jüdischen Gemeinde. In Deutschland lassen sich an über 400 Orten Mikwaot nachweisen, darunter so bedeutende mittelalterliche Anlagen wie in Köln, Speyer und Worms.
Das Wasser einer Mikwe muss natürliches, sogenanntes „lebendiges“ Wasser sein – Quell-, Grund- oder Regenwasser. Deshalb wurden vielerorts Grundwassermikwaot gebaut, die tief unter der Erde bis auf den Grundwasserspiegel hinabreichen.
Es geht dabei nicht um Hygiene, sondern um rituelle Reinheit. Nach orthodoxer Tradition ist das Untertauchen (Tevila) für verheiratete Frauen nach der Menstruation und nach einer Geburt vorgeschrieben, ebenso für Bräute vor der Hochzeit. Männer nutzen die Mikwe in traditionellen Kreisen vor dem Schabbat oder vor Feiertagen. Beim orthodoxen Übertritt zum Judentum ist das Tauchbad für Männer und Frauen Pflicht. Beim Untertauchen darf nichts den Kontakt des Wassers mit dem Körper verhindern – Schmuck, Kosmetik und Kleidung werden abgelegt, und der ganze Körper einschließlich der Haare muss untertauchen.
Im Reformjudentum und teilweise im liberalen Judentum wird das Konzept der rituellen Reinheit vielfach abgelehnt; dort ist der regelmäßige Besuch der Mikwe unüblich.
Weiterführend: Wikipedia-Artikel „Mikwe“.
Die Kölner Mikwe
Die Kölner Mikwe reicht rund 16 Meter unter das heutige Straßenniveau und gehört zum ehemaligen jüdischen Viertel. Juden in Köln werden erstmals im Jahr 321 n. Chr. in einem Erlass Kaiser Konstantins erwähnt – die älteste Nachricht über Juden nördlich der Alpen. Hinweise auf jüdische Wohnhäuser im Bereich des Praetoriums gibt es aber erst ab dem 11. Jahrhundert. Im 12. Jahrhundert wurden Synagoge und Mikwe (neu) errichtet, wobei auch römische Steine – etwa eine kleine Säule – wiederverwendet wurden. 1424 wurden die Juden aus Köln vertrieben, das Viertel ging in städtischen Besitz über, und die Synagoge wurde zur Ratskapelle umgewidmet.
Hinweis (Stand Oktober 2026): Die Mikwe liegt im Baubereich des MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, das laut Stadt Köln Ende Dezember 2028 eröffnen soll. Bis dahin ist sie nicht zugänglich.
Filme
- Die Mikwe in Köln am 15.03.2011, gereinigt; zur Zeit der Aufnahme ohne Belüftung, Luftfeuchtigkeit 99 % (WMV, ca. 39 s, ca. 3 MB)
- Die Mikwe in Worms am 29.08.2010 (WMV, ca. 57 s, ca. 6 MB)
- Die Mikwe, ca. 55 s: MPEG (3 MB) oder MOV (15 MB)
